Mitten im Krieg in der Ukraine entdeckte eine Volontärin Kai am Straßenrand. Zunächst dachte sie, der große Hund würde sich nur ausruhen. Doch als sie am Abend denselben Weg zurückfuhr, lag er immer noch dort. Er bewegte sich kaum und reagierte nur schwach auf ihre Stimme.
Also holte sie Hilfe.
Gemeinsam trugen sie den geschwächten Hund ins Auto und brachten ihn in eine Klinik, wo er sich langsam erholen konnte.
Niemand suchte nach ihm. Niemand vermisste ihn. Niemand wusste, woher er kam.
Wahrscheinlich hatte Kai schon lange auf der Straße gelebt. Vielleicht wurde er ausgesetzt, vielleicht einfach vergessen. In den Tagen vor seiner Rettung hatten schwere Explosionen die Gegend erschüttert. Vielleicht war es zu viel geworden. Vielleicht hatte er einfach aufgegeben.
Nachdem sein Zustand stabilisiert werden konnte, zog Kai in eine Hundepension um. Dort lebt er heute in einer größeren Hundegruppe und zeigt sich als außergewöhnlich ruhiger, ausgeglichener und friedlicher Hund.
Kai ist inzwischen ein älterer Hundesenior, vermutlich deutlich über acht Jahre alt. Seine vielen kleinen Narben erzählen von einem Leben, das nicht immer freundlich zu ihm war. Dennoch hat er sich seine Sanftheit bewahrt.
Er gehört nicht zu den Hunden, die ständig Aufmerksamkeit einfordern oder ihren Menschen auf Schritt und Tritt folgen. Kai ist ein sehr unabhängiger und selbstständiger Hund. Für ihn reicht es oft schon zu wissen, dass Menschen in seiner Nähe sind. Er legt sich gerne in Sichtweite seiner Bezugspersonen und beobachtet ruhig das Geschehen. Diese Nähe gibt ihm Sicherheit und Zufriedenheit.
Wenn seine Menschen weggehen, bleibt Kai entspannt. Er läuft ihnen nicht hinterher, bellt nicht und fordert keine Aufmerksamkeit ein. Er ruht einfach weiter und wartet gelassen auf ihre Rückkehr.
Gleichzeitig mag er Menschen sehr. Hat er Vertrauen gefasst, kommt er gerne für ein paar Streicheleinheiten vorbei und genießt besonders sanfte Berührungen am Kopf oder Gesicht. Danach zieht er sich meist wieder zurück und beschäftigt sich mit sich selbst.
Zu fremden Menschen hält Kai zunächst etwas Abstand. Er beobachtet erst einmal und entscheidet dann in seinem eigenen Tempo, ob er Kontakt aufnehmen möchte. Hat man sein Vertrauen gewonnen, zeigt er sich freundlich und vollkommen unkompliziert.
Auch mit anderen Hunden ist Kai ausgesprochen verträglich. Er lebt problemlos mit Rüden und Hündinnen zusammen. Spielen oder Toben interessieren ihn allerdings kaum noch. Er genießt einfach die Gesellschaft anderer Hunde, ohne ständig mit ihnen interagieren zu müssen. Konflikten geht er aus dem Weg. Wird er von jüngeren oder aufdringlichen Hunden zum Spielen aufgefordert, bleibt er gelassen oder entfernt sich ruhig aus der Situation.
Aggressives Verhalten zeigt Kai weder Menschen noch Hunden gegenüber. Er lässt sich problemlos anfassen, tragen, untersuchen oder beim Einsteigen ins Auto unterstützen. Auch tierärztliche Untersuchungen meistert er ruhig und geduldig.
Die Hunde in der Pension verbringen den Großteil des Tages frei auf dem Hof und können sich zwischen Innen- und Außenbereich bewegen. Kai nutzt diese Freiheit ganz nach seinen Bedürfnissen. Meist sucht er sich ein ruhiges Plätzchen zum Liegen, Schlafen oder Beobachten.
An der Leine läuft er bereits gut und kennt Spaziergänge. Dabei hat er durchaus seinen eigenen Kopf und erkundet die Welt gerne in seinem Tempo. Mit freundlicher Anleitung lässt er sich jedoch problemlos lenken.
Aufgrund seines Alters, seiner Größe und seines kräftigen Körperbaus sucht Kai kein sportliches Zuhause. Lange Wanderungen oder anstrengende Aktivitäten wären nichts für ihn. Viel glücklicher wäre er mit einem ruhigen Alltag, gemütlichen Spaziergängen, einem weichen Liegeplatz und Menschen, die keinen perfekten Begleiter erwarten, sondern einen treuen Freund.
Kai hört außerdem nicht mehr besonders gut. Vermutlich haben die vielen Explosionen und Kriegsgeräusche Spuren hinterlassen. Auf sehr laute Geräusche reagiert er manchmal schreckhaft, leise Geräusche nimmt er dagegen oft kaum wahr.
Auch beim Futter zeigt sich Kai unkompliziert. Er frisst inzwischen gerne Trockenfutter und hat einen guten Appetit. Wenn andere Hunde Leckerlis bekommen, schaut er manchmal neugierig nach, ob für ihn ebenfalls etwas dabei ist. Dabei bleibt er jedoch stets freundlich und zeigt keinerlei Futteraggression.
Kai ist kein Hund für Menschen, die Action suchen. Er braucht keine Abenteuer und keine ständige Beschäftigung.
Was Kai sucht, ist etwas viel Einfacheres:
Ruhe. Sicherheit. Geborgenheit.
Ein Zuhause, in dem er endlich ankommen darf und seinen Lebensabend in Frieden verbringen kann.
| KAI | Rüde, noch unkastriert |
| Alter | geb ca. 2016 |
| gechipt/geimpft | ja |
| Größe | ca. 60 cm Rückenhöhe |
| Mittelmeerkrankheitencheck | bei Ausreise |
| Gesundheit | hört schlecht |
| Besonderheiten | keine |
| Verträglichkeit | Hündinnen und Rüden |
| Aufenthaltsort | Ukraine |
| ausreisefertig ab | sofort |